Die Künstlerin und das Werk
Das Meer vergisst nichts. Yessiows Wandbild „The Ocean Remembers“ zeigt eine junge Frau, die inmitten einer stilisierten Unterwasserwelt aus Korallen, Seetang und Meeresformen ruht, als lausche sie einer Erinnerung, die älter ist als der Mensch.
Ein kreisrundes Fenster öffnet den Blick in eine verborgene Welt. Es steht zugleich für die wissenschaftliche Linse und für die Neugier, über das unmittelbar Sichtbare hinauszuschauen. Unter den Wellen formen winzige Organismen, Sedimente und marine Ökosysteme das Klima der Erde und bewahren Jahrmillionen an Umweltgeschichte. Die Korallen und Meeresformen sind zu klaren, symbolhaften Zeichen vereinfacht, eine Feier der Schönheit und Komplexität des Lebens, das unseren Planeten trägt.
Yessiows Bildsprache lebt von Erzählung und wiederkehrenden Formen. Gefäße und Krüge, inspiriert von antiker griechischer Keramik, stehen in ihrem Werk für Geborgenheit und Zugehörigkeit. Auch hier verbindet sie leuchtende Farben mit einer ruhigen, fast meditativen Figur und macht aus Forschung eine Erzählung des Erinnerns.
Vom Werk zur Wissenschaft
Beim MURAL CITY – Beauty of Science spannt Yessiows Arbeit einen Bogen zur Erforschung des Ozeanbodens. Sie steht für die Neugier, die über das Sichtbare hinausblicken lässt, dorthin, wo kleinste Organismen und tiefste Schichten entscheidende Hinweise auf Vergangenheit und Zukunft der Erde bergen. Genau dieses verborgene Archiv lesen die Forscher in Bremen und Oldenburg.
Dieses verborgene Archiv erforscht der Exzellenzcluster „Der Ozeanboden – unerforschte Schnittstelle der Erde“. Am MARUM, dem Zentrum für Marine Umweltwissenschaften der Universität Bremen, und am ICBM, dem Institut für Chemie und Biologie des Meeres der Universität Oldenburg, wird untersucht, wie viel Kohlenstoff und Material sich am Ozeanboden bewegt, und wie das unseren Planeten prägt.
Der Ozeanboden bedeckt rund 71 Prozent der Erde, ist im Schnitt fast 3.700 Meter tief und kaum erforscht. Mit Forschungsschiffen, Tiefsee-Robotern und Sedimentkernen holen Forscher hervor, was dort über Jahrmillionen gespeichert wurde: ein Klimaarchiv aus abgesunkenen Organismen und mineralischen Schichten. So wird der Ozeanboden lesbar, als Schlüssel dafür, wie unser Planet Kohlenstoff speichert und sich Leben entwickelt hat.
Bio
Yessiow ist eine multidisziplinäre Künstlerin aus Bali, Indonesien. Ihre javanischen Wurzeln und die tiefe Verbindung zur balinesischen Kultur prägen ihre Bildsprache. Bekannt ist sie vor allem für farbige, erzählerische Wandbilder, inspiriert von antiker griechischer Keramik, Naturformen und leuchtenden tropischen Farben. Seit 2013 malt sie großformatige Werke im öffentlichen Raum in Asien, Europa, Afrika und Australien; ihre Praxis reicht inzwischen bis zu Textil- und Mixed-Media-Arbeiten, inspiriert von der Handarbeitstradition ihrer Familie.
Über die eigene Kunst hinaus gründete Yessiow die internationale Ausschreibungsplattform Street Art Calls sowie Far East Mural zur Förderung von Künstlerinnen in Asien, und sie ist Mitbegründerin des Tangi Street Art Festivals auf Bali. 2024 wurde sie in der Kategorie Kunst in die Forbes-Liste „30 Under 30 Asia“ aufgenommen.
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