Der Künstler und das Werk
Sodas „Eventuality“ entsteht aus schwebenden geometrischen Fragmenten, die sich verbinden, aufeinandertreffen oder voneinander lösen, mal robust und abgeschlossen, mal wie eine eingefrorene Explosion. Durch präzise Licht- und Schattenführung verleiht er Flächen die Illusion einer dritten Dimension und hält seine tief atmosphärischen Gebilde allein in Schwarz, Weiß und Grau, konzentriert auf das Wesentliche: Rhythmus, Raum, Licht und Schatten.
Aus Pigmenten und Partikeln orchestriert er Kompositionen, die kompromisslos und charakterstark auftreten, fast brutalistisch, Objektwelten, die für sich existieren und wirken, als wären sie aus seiner Welt bei uns gelandet. Musik und Klang sind für Soda der Auslöser dieses Prozesses, ein geordnetes Chaos, in dem der Teufel im Detail steckt.
Vom Werk zur Wissenschaft
Beim MURAL CITY – Beauty of Science widmet sich Sodas Arbeit dem Forschungsfeld der Materialwissenschaften. Materie wird zusammengefügt, geformt und wieder dekonstruiert. Aus kleinsten Teilen wird ein Ganzes, aus dem Rohen wird das Veredelte, und im Veredelten liegt schon das Rohe, in das es einmal zurückkehrt. Genau diese zwei Richtungen, das Werden und das Vergehen von Material, verfolgt die Bremer Forschung.
Manche Werkstoffe wachsen aus dem Kleinsten. Am MAPEX der Universität Bremen entstehen Bauteile aus feinem Metallpulver, das ein Laser Schicht für Schicht zu festen Formen verschmilzt. So entstehen Materialien, die zugleich leicht und hoch belastbar sind, für Flugzeuge und Triebwerke, für die Medizin und für extreme Umgebungen bis hin zum Mars. Aus losem Titanpulver wird, Partikel für Partikel, ein präzises Werkstück, so wie Sodas Kompositionen aus vielen Einzelteilen zusammenwachsen.
Andere Werkstoffe sind gemacht, um wieder zu vergehen. Im von MAPEX geförderten Projekt Circular Electronics entstehen Materialien, die sich wieder auflösen lassen, sobald sie ausgedient haben. Weil der Berg an elektronischem Abfall weltweit rasant wächst, wird hier an kreislauffähigen, biobasierten, sogar kompostierbaren Materialien gearbeitet: an Leiterplatten, die sich in ihre Bestandteile zerlegen und neu verwenden lassen, und an Sensoren, die ihre Aufgabe erfüllen und wieder zu Erde werden.
Bio
Soda ist ein 1977 in Italien geborener Künstler, der heute in London lebt und arbeitet. Seit 1993 ist er im Graffiti zuhause; sein Weg führte über Studien in Kunst, Architektur und Design zu einer unverwechselbaren abstrakten Bildsprache. Renommiert für seine abstrakten Graffiti-Arbeiten, hält er seine minimalistischen Kompositionen in Schwarz und Weiß und erzeugt mit meisterhafter Schattenführung die Illusion einer dritten Dimension.
Beeinflusst von Musik, Architektur und Abstraktion, verwebt Soda Komplexität in geometrische Elemente und Buchstabenkompositionen. Ein integraler Bestandteil seiner Arbeit ist der Klang: Er erzeugt eigene Klanglandschaften, die als Auslöser seines kreativen Prozesses Stimmung und Struktur seiner Werke prägen.
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