zU HöeReEn”


Artist:
Johannes Graf-Kresse (Bremen, Deutschland)

Umsetzungsjahr:
2026

Standort:
Fehrfeld 44, Bremen

Fassadenpartner:
LEG

Science Partner:
Constructor University

Der Künstler und das Werk

Zuhören ist die erste Form der Fürsorge. Graf-Kresses „zU HöeReEn“ zeigt eine Person, die die Hand an die Ohrmuschel legt, um besser zu verstehen. Wem sie lauscht, bleibt offen; am Torso liegt eine Kartei aus Farbfeldern, nah an Herz und Bauch, als horchte sie zugleich in sich hinein. 

Angelehnt an Gerhard Marcks’ Bremer Skulptur „Der Rufer“, die für Frieden und Meinungsfreiheit steht, gibt die Arbeit den überhörten Stimmen Raum. Die dargestellte Person ist männlich gelesen, und darin liegt der Appell: Er richtet sich vor allem an männlich sozialisierte Personen, queeren und unterdrückten Personengruppen mehr zuzuhören, sie zu verstehen und für sie Sorge zu tragen, statt die eigene Sicht in den Vordergrund zu stellen. 

Kresse untersucht in seiner Malerei Spuren der eigenen Sozialisation und ihren Einfluss auf gegenwärtige und künftige gesellschaftliche Entwicklungen, immer wieder mit einem kritischen Blick auf männliche Sozialisierung. Sein Ansatz ist es, komplexe Bilder zu reduzieren und visuell zugänglich zu machen, hier ein Wandbild an einem Wohnhaus, das die Frage nach Achtsamkeit im Miteinander in den öffentlichen Raum trägt. 

Vom Werk zur Wissenschaft 

Beim MURAL CITY – Beauty of Science begegnet diese Arbeit den Sozialwissenschaften. Diese stellen sich Fragen wie: „Wie hält eine Gesellschaft zusammen, wenn alles in Bewegung ist?“ oder „Wie viel Vertrauen, Offenheit und Zuhören braucht ein Miteinander, damit aus vielen einzelnen Stimmen ein Ganzes wird?“ Zwei Forschungsarbeiten an der Constructor University geben darauf Antworten. 


Ebenfalls an der Constructor University untersucht Prof. Hilke Brockmann im Projekt „Females Welcome“, wie Zuwanderung eine Gesellschaft verändert. Aus 27 Jahren Daten von über 43.000 Menschen zeigt sich: Wo mehr Frauen zuziehen, steigt die Lebenszufriedenheit der bereits Ansässigen, bei Frauen wie Männern. Eine Migration, die Frauen einlädt zu kommen und zu bleiben, macht eine Stadt nicht nur menschlicher, sondern auch friedlicher und glücklicher. 

An der Constructor University blickt Prof. Klaus Boehnke in die Angst des Kalten Krieges zurück: Was macht die atomare Bedrohung der 1980er-Jahre mit Kindern und Jugendlichen? Über fast vierzig Jahre und zwölf Befragungswellen wurden dieselben Menschen begleitet. Wer sich früh und dauerhaft politisch engagiert hat, ist nicht daran zerbrochen: Aus Angst wurde Haltung, aus Beteiligung Kraft. 

Bio

Johannes Graf-Kresse wurde 1988 in Nordhausen geboren und lebt und arbeitet in Bremen. Er studierte Freie Kunst an der Hochschule für Künste Bremen (Klasse Prof. Kati Barath, Abschluss 2023) und zuvor Kunsttherapie an der Hochschule für Künste im Sozialen in Ottersberg (Bachelor 2013). 

Seine flächig-atmosphärische Malerei, meist in Öl auf Papier, Holz oder Leinwand, war zuletzt in zahlreichen Gruppenausstellungen zu sehen, unter anderem in der Kunsthalle Bremen, im mumok Wien und im Weserburg Museum Bremen. Im Zentrum steht die Frage, wie sich Erinnerung an Kindheit malerisch erzählen und ein kritischer Blick auf männliche Sozialisierung formulieren lässt. 

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